Über mich

Schon die ersten Gitarren-Akkorde lassen aufhorchen. Sie haben Swing, sie lassen an Frühlingstage denken, sie erscheinen bekannt und irgendwie neu zugleich. Das schöne Gefühl bleibt bestehen, ein ganzes Album lang. Mit seiner Gitarre und seiner Stimme schafft sich Marco Schmedtje wunderbare Spielplätze, die den unbeschwerten Charme der Jugend und manchmal gar der Kindheit atmen. So wie man eben nur mit etwas Abstand und Erfahrung zu schätzen weiß, was einmal gewesen ist und vielleicht wieder sein könnte - und dies auch beschreiben und musikalisch einfangen kann. Marco Schmedtje, kürzlich 40 Jahre alt geworden, gelingt dies auf Schöne Geister nahezu en passant.

 

Aufgewachsen ist Schmedtje auf dem Land. Mit 14 beginnt er Gitarre zu spielen. „Eigentlich relativ spät“, wie er anmerkt. Aber er hatte „gleich Blut geleckt.“ Schon zwei Jahre später beschließt er Musiker zu werden. Er macht die Schule fertig. Mit 19 zieht er nach Hamburg. Und lässt sich treiben durchs musikalische Leben der Großstadt, lernt Niels Frevert kennen, gründet seine eigene Band Vierwänder. Dann trifft er Jan Plewka, als dieser vor zehn Jahren nach der Trennung von Selig aus Schweden zurückkam. „Jan wollte eine Soloplatte machen, wir taten uns zusammen und fuhren nach Spanien in ein Haus am See. Alle möglichen Leute hatten gewettet, wir kämen mit bestenfalls einem Song wieder, aber wir haben das ganze Album in einer Woche geschrieben.“ Marco Schmedtje blieb Plewka auch in dessen Band Zinoba verbunden, gehört später und immer noch zur Stammbesetzung jener Band, die Plewka auf seinen Exkursionen zu den Songs von Rio Reiser begleitet.

 

So ganz allmählich aber wurde es Zeit, eigene Zeichen zu setzen. Das hat ein wenig gedauert, auch weil Marco Schmedtje eine sehr ruhige und entspannte Art zu arbeiten hat. „Ich lege Texte gern mal in die Schublade für eine gewisse Zeit und hole sie dann wieder hervor, um zu gucken, ob sie noch immer etwas taugen.“ So hat er es auch mit den Liedern von Schöne Geister gemacht. Geschrieben und aufgenommen, dann erstmal in die Schublade gelegt, mit etwas Abstand wieder herausgeholt - und für gut befunden.

 

Was gar kein Wunder ist, denn die sparsam und höchst originell instrumentierten Miniaturen aus der Lebensmitte finden ihren schönen Platz zwischen Erinnerungen an große Liedermacher und den jüngst so erfolgreichen Barden leicht überemotionaler Gefühlskino-Popsongs. Es ließe sich auch drastischer sagen: Marco Schmedtje hebt nie den Zeigefinger und heult auch nicht leise in die Kissen, er erzählt lieber Geschichten wie am Frühstückstisch. Da fehlen dann nur eben diese wunderbar balancierten Melodien der schönen Geister, die er rief und die gekommen sind, um zu bleiben.